Tabellarische
Zusammenfassung
Die
griechische Geographie hatte die zunächst die Verdeutlichung
der Stellung der Erde im Sonnensystem sowie die Frage nach der Gestalt
der Erde zum Gegenstand. Im Zuge der Beschäftigung mit
diesen Fragen gelangte man früh zur Erkenntnis über die
Kugelgestalt der Erde, die durch die Lehren der Pythagoräer (um
500 v. Chr.) weite Verbreitung fand und schließlich durch Aristoteles
(9) um etwa 350
v. Chr. bewiesen (10)
wurde.
Diese
neuen Erkenntnisse manifestierten sich z.B. in dem um 150 v. Chr.
konzipierten Globusmodell
(Abb.)
des Krates von Mallos (11),
welches nachweislich der mittelalterlichen Kartenfamilie der
Zonen-
und Klimatenkarten zugrunde liegt: Zwei sich rechtwinklig
schneidende Ozeanringe unterteilen die Kugel in vier Kontinente, von
denen nur zwei bewohnbar sind.
Nach
der eindeutigen Klärung der Frage nach der Gestalt der Erde
widmete man sich nun der genauen Darstellung der Ökumene,
d.h. der nachweislich bewohnten Welt. Die Basis der Darstellung
derselben stellte die Eigenerfahrung dar. Sie umfaßte ein
breites Spektrum an geographischen, philosophischen und
ethnographischen Informationen und wurde durch astrologische und
astronomische Erkenntnisse ergänzt .
Dabei
ergaben sich angesichts der wissenschaftlichen Darstellung der
Erde als Kugel Probleme bei der Eingliederung der Ökumene
in die Gesamtwelt und bei der Projektion, d.h. bei der Abbildung der
gekrümmten dreidimensionalen Erdoberfläche auf die
zweidimensionale Abbildungsebene.
Die
Lösung dieser Schwierigkeiten erfolgte vermittels der
Bestimmung der geographischen Lage wichtiger Orte durch exakte
Landvermessung und feste astronomische Bezugspunkte. Die Entwicklung
von Kartennetzen, die nach der Berechnung des Erdumfanges durch Eratosthenes
(12) im 3. Jahrhundert
v. Chr. rasch Fortschritte macht
(Tabelle), vervollständigt die Methode der
wissenschaftlich exakten Darstellung der Erde und Ökumene und
begründet die antike wissenschaftliche Kartographie.
Diese
erfährt ihren Höhepunkt mit der "Geographie"
des Ptolemäus von Alexandria
(13): Dieses Werk, das
391 n. Chr. beim Brand der Bibliothek von Alexandria verloren ging
und nur als Kopie erhalten ist, stellt eine verbindliche Anleitung
zu Herstellung einer aus 26 Teilkarten bestehenden Ptolemäischen
Weltkarte (Abb.)
dar, welche der heutigen Weltdarstellung sehr nahe kommt. Überdies
enthält die "Geographie" in Form eines
Kataloges die Breiten- und Längenposition der nennenswerten
geographischen Orte der Ökumene
(14) , wobei die
Gradpositionen mit einer Genauigkeit von bis zu 5 Minuten errechnet
wurden.
Der Großteil
dieser Erkenntnisse war im Mittelalter nicht mehr verfügbar.
Denn die Teilung des Imperium Romanum in ein Ost- und ein Westreich
im Jahre 395 n. Chr. mit verschiedenen Amts- und Literatur-sprachen
ließ im westlichen Reich, in dem sich im Gegensatz zum
Byzantinischen Reich Latein und nicht Griechisch als Amts- und
Kirchensprache durchgesetzt hatte, die Werke und Erkenntnisse
griechisch-sprachiger antiker Autoren in Vergessenheit geraten.
Dieses änderte
sich erst mit dem Aufkommen lateinischer Übersetzungen dieser
Werke, so daß erst 1406 mit der Übertragung der "Geographie"
ins Lateinische der Grundstein für die Wiederaufnahme (auch die
"Ptolemäus-Renaissance"
(15) genannt) der
wissenschaftlichen und exakten Kartographie gelegt werden konnte.
Dem
Mittelalter erhalten blieb jedoch die Kenntnis der Klimazonenlehre,
welche die spätantiken römischen Autoren Macrobius
(16) und Martianus
Capella (17) überlieferten,
und die ihren Niederschlag in den sog.
Klimatenkarten und den meist schematischen
Zonenkarten,
einer Unterkategorie der Weltkarten (Mappae mundi)
fand.