Karten bzw. kartographische Quellen, die die
Visualisierung eines bestimmten Verständnisses von Mobilität
und einer bestimmten Vorstellung von der Welt darstellen, können
nicht schlicht nach modernen Maßstäben als "maßstäblich
verkleinerte, vereinfachte und erläuterte Grundrißdarstellung
der Erdoberfläche oder von Teilen davon"
(5) verstanden werden.
Es ist daher die Aufgabe der Geschichte der
Kartographie, im Zuge der "wissenschaftlichen
Erforschung und Beschreibung des Zweckes, der [technischen] Möglichkeiten,
der Bedeutung, der Entwicklung und des Wandels kartographischer Tätigkeit"
(6) die Karten in ihr
geistiges und soziales Umfeld einzuordnen und sie unter Berücksichtigung
dieser Erkenntnisse zu interpretieren. Wegweisend für diese
neue Phase des Umgangs mit mittelalterlichen Karten, die seit den
1960er Jahren maßgeblich ist, sind dabei die Arbeiten der
Historikerin Anna-Dorothee von den Brincken, auf denen diese
Homepage unter anderen basiert
Von dieser neuen Definition des Aufgabenbereiches
der Geschichte der Kartographie profitiert vor allem die
mittelalterliche Kartographie. Denn die sehr individuellen
Vorstellungen von Mobilität und die sehr differierende
Umsetzung derselben in der mittelalterlichen Kartographie haben bis
in die 1960er Jahre nur wenig Verständnis und Berücksichtigung
gefunden.
Im Gegenteil: Die Eigengesetzlichkeit
(7) des
mittelalterlichen kartographischen Materials, welches sich
auszeichnet durch: