Die römische Kartographie

Tabellarische Zusammenfassung

Der Ansatz der römischen Kartographie war völlig verschieden zu dem der griechischen Kartographie, obwohl sie auf den wissenschaftlichen Erkenntnissen der griechischen Kartographie basierte und beide gewissermaßen die exakte Vermessung (des Reiches) zu Grunde legte.

Denn das Interesse der Römer an der Kartographie lag - unter Aufgabe des wissenschaftlichen Aspektes und der z. T. reinen Selbstzweckhaftigkeit der griechischer Karten - in der praktischen Anwendung der Karten. Dementsprechend erfährt die Kartographie unter den Römern unter dem wissenschaftlichen Aspekt betrachtet keinen Fortschritt.

Im Gegenteil: Die römischen Kartographen gingen aus praktischen Gründen zu der Reduzierung der Wiedergabe der Erdkugel auf die Darstellung als Erdscheibe über. Denn dieses genügte vollkommen dem ausschließlichen Interesse

  • an der Darstellung ihres Weltreiches (z.T. auch als Ausdruck der eigenen Macht und Stärke), sowie
  • an der Bereitstellung einer (visuellen) Struktur zur Verwaltung und Beherrschung desselben.

Einen besonderen Stellenwert bei der römische Heeres- und Verwaltungspraxis nehmen die Itinerare ein. Dieses sind Wege- oder Straßenkarten, die - meist in schriftlicher Form und ggf. in Kombination mit kommentierenden Zeichnungen - über "Verkehrsverbindungen" und ihren Zustand, sowie über Entfernungen in Form von zeitlichen Angaben (18) informierten.

Diese Itinerarien, die auch im Mittelalter weite Anwendung und Verbreitung fanden, dienten zunächst militärischen Zwecken, verzeichneten jedoch später auch Handelswege und -plätze. Sie zeichneten sich aus durch eine sehr unmaßstäbliche Wiedergabe der Realität.

Ein bekanntes Itinerar ist die Tabula Peutingeriana (Abb.). Diese besteht aus 12 Blättern mit einer Gesamtlänge von 7 Metern. Ihre Darstellung ist durch eine starke Dehnung in O-W-Richtung, und eine starke Verkürzung in Nord-Süd-Richtung völlig unmaßstäblich.

Die bekannteste römische Welt- bzw. Ökumenekarte ist die Ökumenekarte des Vispianius Agrippa (Abb.). Sie stellt die kartographische Umsetzung der Vermessung des Reiches, die unter Caesar (100 - 44 v. Chr.) und unter Augustus (63 v. Chr. - 14 n. Chr.) vorgenommen wurde, dar und wurde ca. 7 n. Chr. öffentlich in Rom ausgestellt. Diese Karte stellt die Basis dar für die mittelalterlichen T-O-Weltkarten , welche den zahlenmäßig überwiegenden Anteil der Mappae Mundi des gesamten Mittelalters ausmachen.